Mittwoch, 11. Mai 2011

Interview mit der Autorin Juli Rautenberg


 
Juli Rautenberg, geboren 1983 in Mannheim, lebt als freie Werbetexterin und Lektorin in Frankfurt. Ihre Suche nach einem Mann hat sie zwölf Monate lang in ihrem Blog
  www.das-single-experiment.de
dokumentiert.

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Hallo Juli, wie oben schon erwähnt, hat alles mit deinem Blog angefangen. Wie kam es denn dazu, dass dein Projekt auch als Buch veröffentlicht wurde?

Ich kannte den Eichborn Verlag schon durch meine Arbeit als Lektorin. Auf der Buchmesse in Frankfurt im Herbst 2009 habe ich einer Programmverantwortlichen nebenbei von meinem gerade gestarteten Projekt erzählt – und sie „biss an“. Ein paar Monate später flatterte dann der Buchvertrag ins Haus.

Wie bist du eigentlich auf die Idee gekommen, so ein Projekt zu starten und dann auch noch so öffentlich?

Im vorletzten Sommer kam ich gerade mal wieder aus so einer „Geschichte“ – nicht Fleisch, nicht Fisch, kein Dings und kein Bums. So was Halbgares, wo man sich ständig datet, aber irgendwie kommt nix bei rum. Das ging mir unglaublich auf die Nerven, dass ich allem Anschein nach immer nur auf Männer traf, die sich UM GOTTES WILLEN nicht festlegen wollten – na ja, vielleicht auch einfach nicht auf mich. Ich habe die letzten drei Jahre meines Singledaseins Revue passieren lassen und mir gedacht: Das kann doch irgendwie nicht wahr sein, was man sich alles bieten lassen muss! Dann habe ich mir ausgemalt, was passieren würde, wenn ich mal so ganz streng nach Vorschrift alle vielversprechenden Methoden des Datings ausprobieren würde. Und weil mir ständig gesagt wurde, dass meine Erlebnisse mit den Männern so haarsträubend und unglaublich seien, dass man sie für die Nachwelt festhalten müsse, habe ich aus der Not eine Tugend gemacht und den Blog eingerichtet.

Wie war es für dich, als du das erste Mal dein Buch in den Läden gesehen hast? Bist du wie ein kreischender Teenager auf und ab gesprungen, oder warst du total cool und gelassen?

Na ja, ganz so ausgeflippt bin ich nicht, ich hatte das Buch ja schon ein paar Wochen, bevor es in die Läden kam, nach Hause geschickt bekommen. Insofern bin ich danach auch nicht in alle Buchhandlungen gepilgert um zu überprüfen, ob da mein Buch liegt (und dem Buchhändler gegebenenfalls die Hölle heiß zu machen).
Ein wirklich sensationeller Moment war aber, als ich einmal im Zug gefahren bin und in der Sitzgruppe neben mir eine junge Frau saß, die „12 Monate, 17 Kerle und ein Happy End“ gelesen hat! Da bin ich fast ausgeflippt, weil ich dachte: Krass, das kaufen ja ECHTE LEUTE! Bis dahin war das irgendwie alles noch so irreal, auch die Leser vom Blog kannte ich ja nicht, das waren nur anonyme „Stimmen“ ohne Gesicht. Ich hab die Frau im Zug dann auch die ganze Zeit angeglotzt und jede Reaktion von ihr analysiert. Lacht sie? Ist sie gefesselt? Findet sie es gut? Vor lauter Beobachtung habe ich dann auch fast meinen Bahnhof verpasst.

Die Essenz deines Single-Experiments ist als Roman erschienen. Warum als Roman, wo du doch alles eigenhändig ausprobiert und selbst erlebt hast?

Es gibt zwei Gründe für diese Entscheidung. Zum einen habe ich keine echte „statistische“ Erhebung gemacht, fand einen Sachtext deswegen auch nicht so geeignet. Ich bin ja keine Psychologin oder Therapeutin, die anderen Singles sagt: „So und so könnt ihr es machen, aber das lasst ihr mal besser bleiben.“ Es ging vielmehr darum zu zeigen, was einem Mädchen, das sich richtig gezielt auf die Suche macht, so alles widerfahren kann.

Der andere Grund, meine Erfahrungen als Roman zu veröffentlichen, ist mir aber noch viel wichtiger: Die Experimente habe ich ja selbst gemacht, dabei habe ich Männer getroffen. Echte Männer. Mit echten Leben, Gedanken und Gefühlen. Ich musste diese Männer schützen, da geht es einerseits ganz profan um Persönlichkeitsrechte, andererseits auch darum, dass ich selbst nicht wollen würde, dass jemand mein Date mit ihm durch den sprachlichen Fleischwolf dreht. Was ich aufschreibe, ist ja nur meine Sicht der Dinge. Und die ist manchmal schon ziemlich lakonisch. Also habe ich die Männer verfremdet.

Viele Leser deines Buches haben jetzt das Gefühl, dich zu kennen. Bekommst du das manchmal mit? Und wenn ja, wie empfindest du das?

Ich finde das ist ein ziemlich beängstigendes und gleichzeitig ganz großartiges Gefühl! Wenn ich von einem Leser das Feedback bekomme, dass er sich mit mir und meinen manchmal recht wahnwitzigen Gedanken und Handlungen identifizieren kann, dann ist das schon richtig toll, dann heißt das für mich als Autorin, dass ich da was richtig gemacht habe beim Schreiben. Und grundsätzlich: In dem Moment, in dem man sein Privatleben mit der Öffentlichkeit teilt, ist es keine so große Überraschung mehr, wenn Menschen auf mich als Person reagieren. Insofern war ich darauf vorbereitet, dass das passieren kann und fühle mich einfach nur sehr geschmeichelt, wenn jemand auf mich zukommt, der mich allem Anschein nach mag, ohne dass ich ihn vorher schon mal gesehen habe. Und solange ich nicht wie einige Soap-Darsteller auf der Straße angepöbelt werde (ist der Darstellerin von „Clarissa von Anstetten“ aus Verbotene Liebe mal passiert, glaube ich), ist doch alles gut.

Auf deiner Seite, www.das-beziehungsexperiment.de, kann man mitverfolgen, wie es mit dir weitergeht. Wird es einen 2.Teil als Buch geben? Bitte sag JA!:-)

Wenn’s nach mir geht: Ja! :-) Aber natürlich entscheide das nicht ich allein. Liegt ja nicht nur in meiner Hand – leider ist das mittlerweile auch sehr von den Verkäufen abhängig. Und natürlich von der Nachfrage. Sagen wir mal so: Je eher „das Single-Experiment“ ausverkauft ist, desto näher rücken wir dem Nachfolger.


Vielen lieben Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, mir ein paar Fragen zu beantworten! Ich wünsche dir für deine Zukunft und dein „neustes Experiment“ viel Erfolg und Freude!

Vielen Dank, dass du mein Buch gelesen und rezensiert hast! ;)


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Meine Rezension zu "Zwölf Monate, siebzehn Kerle und ein Happy End" findet ihr HIER!

1 Kommentar:

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