Mittwoch, 17. Juli 2013

Einen Klick entfernt von dir - Sara Kadefors




Titel: Einen Klick entfernt von dir
Autorin: Sara Kadefors
Taschenbuch: 352 Seiten
Verlag: Carlsen; Auflage: 1 (Januar 2008)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3551356610
ISBN-13: 978-3551356611
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 13 - 17 Jahre

Vorwort:

Ich habe mich hier mal dazu entschieden, dieses Buch nicht in Kategorien zu bewerten, sondern einfach mal drauf los zu schreiben. :)


Als ich zu diesem Buch gegriffen habe, dachte ich, dass mich eine romantische “Fernbeziehungsgeschichte” erwartet. Ich war sehr interessiert und hatte auch hohe Erwartungen, da ich ja selber in einer Fernbeziehung bin und mir daher viele Parallelen oder bekannte Momente erhofft hatte.

Ich fühlte mich also gleich verbunden mit dieser Geschichte. Das änderte sich jedoch im Laufe der Zeit, denn das Buch war ganz anders als ich erwartet habe. Doch was findet nun auf diesen 346 Seiten statt?

Sandor und Ida sind ganz unterschiedliche Menschen. Er ist ein Außenseiter, nicht selbstbewusst, lebt auf dem Land und hat keinerlei Erfahrungen mit Mädchen. Sie ist ein richtiges Großstadtgirlie, beliebt und hat JEDE MENGE Erfahrungen mit Jungs. Die Beiden sind wie Tag und Nacht, Schwarz und Weiß. Das Einzige, was sie verbindet ist, dass sie gefangen sind, in einem Klischee. Sie stecken in den Erwartungen der Anderen fest, die an sie gestellt werden. Sie wollen nicht der Mensch sein,...nicht diese Rolle spielen, die Ihnen von den Anderen vorgegeben wird. In diesem Buch ging es mehr um das Thema “Selbstverwirklichung”, als um eine romantische Fernbeziehung, zumal die Romantik hier wirklich sehr zu kurz kam, denn beide Parteien überhäufen sich hier nicht gerade mit Blumen und Pralinen. Es wird ausgeteilt und eingesteckt und doch fühlen sie sich dem Anderen so nah, wie sonst keinem Anderen.

Anfangs schreckte mich der Mailkontakt zwischen Ida und Sandor wahrlich ab. Um euch meinen Schrecken begreiflich zu machen, muss ich weiter ausholen. Ida ist zwar wahnsinnig beliebt, aber das Mädchen, was alle lieben, ist nicht Ida...nicht die Ida, wie sie wirklich ist. Zudem lebt sie bei Ihrer alleinerziehenden Mutter, der Vater hat eine neue Familie in den USA gegründet und hat nicht mal Zeit für ein Telefonat mit seiner Tochter. Sein schlechtes Gewissen beruhigt er mit regelmäßigen Überweisungen auf das Konto Idas. Ihre Mutter ist schwer depressiv, sie steht fast dauerhaft unter Medikamenteneinfluss und vegetiert vor sich hin, ohne großartig was von ihrer Umwelt wahr zu nehmen. Idas “beste Freundinnen” sind nichts weiter als zwei aufgeplusterte Pudel, die ihr hinterher dackeln. Susanna, Freundinn Nummer 1, ist ein naives Dummchen, die alles ausplaudert, was ihr in den Kopf kommt. Ohne mit der Wimper zu zucken, verrät sie alles und jeden, nur um am Ende auf der stärkeren Seite zu stehen. Therese, Freundin Nummer 2, gönnt Ida nichts. Sie ist wahnsinnig eifersüchtig auf ihr Aussehen, ihren Status, ihre Liebschaften und so weiter. Desweiteren tratscht sie hinter ihrem Rücken über sie, um ihren Thron zu ergattern. Ida ist trotz ihrer “Beliebtheit” ein sehr einsames Mädchen.

Sandor ist ein "Außenseitertyp", er ist ängstlich wird gehänselt, weil er Ballett tanzt und hat noch nie ein Mädchen geküsst. Er hat einen wahren Freund, Tobbe. Obwohl die Beiden nur das “Außenseiterdasein” verbindet, ist diese Freundschaft echt und unkompliziert. Mit seinem großen Bruder und seiner Schwester hat er keinen allzu engen Kontakt. Sein Vater ist ein autoritärer Schatten, der sich fast blass zwischen dem Arbeitszimmer und der Zeitung am Frühstückstisch aufhält. Seine Mutter ist eine “Übermutter”, sie hat zu viel Ehrgeiz, was die Leistungen ihrer Kinder angeht und schadet somit dauerhaft der familiären Atmosphäre. Insbesondere Sandor wird regelrecht gehetzt, der Beste zu sein, schulisch sowie tänzerisch. Er ist auch sehr einsam.Und so treffen sich diese zwei vollkommen unterschiedlichen, aber sehr einsamen Mensch in einem Chatroom. Und was sie tun, ist alles andere als romantisch oder Liebe auf dem ersten Klick. Jeder erzählt erstmal nur von sich selbst, ist am Jammern und Nörgeln. Keine der beiden Parteien hakt etwa mal nach oder stellt Fragen. Beide lassen einfach nur ihren Dampf ab.

Sie benutzen sich gegenseitig als Kummerkasten. Es war einfach schrecklich und es hat mir überhaupt nicht gefallen. Nachdem sie ihren Dampf abgelassen haben, gewinnt die Geschichte aber doch noch an Zauber. Sie kommen sich näher, aber geben nicht sonderlich viel von sich preis. Als sie dann endlich aufeinander treffen, verfällt Ida in ihre auferlegte Rolle, Sandor - der schüchterne Außenseiter - weiß natürlich überhaupt nicht damit umzugehen und so entfernen sich die beiden wieder emotional voneinander. Dieses Hin und Her zwischen den Beiden wahr wirklich nervenaufreibend und ich fragte mich ständig: WIE DOOF KANN MAN NUR SEIN?! 

Wären die Beiden einfach nur ehrlich und hätten immer gesagt, was sie fühlen, dann wäre das eine wahrhaft schöne Geschichte geworden. Stattdessen war ich den größten Teil der Geschichte genervt. Jedoch die Botschaft dieser Geschichte, dass man sich selbst treu sein soll, egal, was andere von einem wollen - Das man nur so ein glückliches und erfülltes Leben haben kann, wenn man sich selbst treu bleibt und keine Rolle spielt - das hat mir sehr gefallen und mich auch wahnsinnig inspiriert. Die Entwicklung auf den letzten Seiten machte die Geschichte doch noch zu einem Lesevergnügen für mich, wenn auch mit sehr vielen Schwächen.


Die Charaktere sind so schwach und unselbstbewusst gewesen, dass ich teilweise echt genervt war. Aber darum ging es in dem Buch, man soll zu sich stehen. “Sei, wer du bist” - Ist ein Luxus, der uns allen zur Verfügung steht, auch wenn wir es manchmal nicht wahr haben wollen oder Angst davor haben. Dieses Buch hat mich wirklich zum Nachdenken gebracht und ich habe es gern gelesen, auch wenn ich nicht hundertprozentig damit zufrieden war und was ganz Anderes erwartet habe.


Habt ihr auch schon mal in einer Rolle gesteckt, die so gar nicht zu eurem wahren Ich gepasst hat? Seid ihr auch der Meinung, dass man sich nie verstellen sollte? :))


Kommentare:

  1. Eine interessante Rezension. Vielen Dank dafür!
    LG
    Yvonne

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    1. Ich hab zu danken :) Freut mich, wenn die Rezension interessant ist. :)))
      Ganz liebe Grüße ♥

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  2. Ich kenn das wenn man genervt ist.
    Bei "Für immer vielleicht" ging es mir genau wie dir. Ich hätte beiden am liebsten in den Arsch getreten wenn sie einfach nicht ihren Mund aufbekommen haben und war über das dauernde Selbstmitleid auch genervt und trotzdem war die Geschichte irgendwie schön :D

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    1. "Für immer vielleicht" wollte ich auch noch irgendwann lesen. :3 Haha, ich war echt oft am "Augenrollen" xDDDD Aber das Buch ist trotzdem voll toll :3

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